"Ganz am Anfang stand die Idee einer Tupperware-Party, einfach ohne Plastikgefässe, sondern mit Asthaufen und Blumenwiesen", erinnert sich Corinne Schmidlin (ehem. Stadtökologie Baden und Initiantin von «Natur findet Stadt»).
Die Projektidee wurde 2014 beim Ideen- und Projektpool des Kantons Aargau (Abteilung Landschaft und Gewässer) eingereicht und ausgezeichnet. Anschliessend entwickelte die Stadt Baden, Abteilung Stadtökologie das Konzept weiter. In den Jahren 2015/2016 wurde «Natur findet Stadt» erfolgreich in der Stadt Baden und der Gemeinde Ennetbaden umgesetzt. Zahlreiche Gärten und öffentliche Grünräume wurden aufgewertet: So wurde etwa ein Hunde-WC zum Wildbienenparadies und ein Parkplatz zur Obstwiese verwandelt.
Ab 2017 übernahm der Kanton Aargau das Projekt und seit 2018 richtet es sich an alle Gemeinden im Kanton Aargau. Die Umsetzung von «Natur findet Stadt» liegt seitdem federführend beim Naturama Aargau im Auftrag des Kantons.
Eine besondere Anerkennung erhielt das Projekt 2021 mit der Auszeichnung des erstmals verliehenen Binding Preises für Biodiversität. Gelobt wurde insbesondere das clevere Konzept das die Vorbildwirkung der Gemeinden nutzt und gleichzeitig Privatpersonen zur aktiven Mitgestaltung motiviert.
«Natur findet Stadt» ist deshalb so erfolgreich, weil es in enger Zusammenarbeit mit verschiedenen Projektpartnern ein Schneeballsystem im positiven Sinne anstösst und so laufend neue Akteure/innen für die Biodiversität gewinnt. Mit partizipativ erarbeiteten Aufwertungen von öffentlichen Flächen übernimmt eine Gemeinde jeweils Vorbildfunktion. Gartenbaubetriebe und private Gartenbesitzer/innen schliessen sich an, von Fachleuten beraten und von attraktiven Kommunikationsmassnahmen animiert. Bei der Umsetzung arbeiten Experten/innen und Praktiker/innen Hand in Hand. Sensen-Mähkurse, Standaktionen oder Arbeitseinsätze für Schulen und Interessierte laden ein zur Entdeckung und Förderung der Natur vor der Haustüre" (Quelle: Sophie- und Karl Binding Stiftung in "Schweizer Gemeinde 7/8 2021").
Trotz der erfreulichen Erfolgen von «Natur findet Stadt» besitzt das Projekt weiterhin ein erhebliches Potenzial für verschiedene Verbesserungen. An ein Ausruhen auf den Lorbeeren ist also nicht zu denken. Den Impuls für eine umfassende Überarbeitung in den Jahren 2025 und 2026 gab die Sektion Natur und Landschaft (Departement Bau, Verkehr und Umwelt; Abteilung Landschaft und Gewässer), die den Aufbau einer Biodiversitätsberatung plante. Da «Natur findet Stadt» diesen Ansatz bereits abdeckt, wäre ein zusätzliches Projekt weder zielführend noch ressourcenschonend gewesen.
Im Sinne einer optimalen Nutzung von Synergien, wurde das bestehende Projekt deshalb grundlegend überprüft und zu einem Programm weiterentwickelt, das langfristig Wirkung entfalten soll. Das Potenzial für mehr Natur im Siedlungsraum ist nach wie vor gross. Dieses Potenzial zu aktivieren, bleibt eine gemeinsame Aufgabe von Kanton, Gemeinden sowie privaten Akteurinnen und Akteuren. «Natur findet Stadt» bietet dafür den gemeinsamen Rahmen und die passende Plattform.